Donnerstag, 28. April 2011
Lieber mal ausschlafen
Heute ihren Gefrierschrank vom Strom genommen und schätzungsweise 12 Kilo tiefgekühltes Frischfleisch entsorgt. Krustenbraten, Kalbsbraten, Keule, Rollbraten, Steaks, Hirschmedaillons... uswusf.

Mit jedem weggeworfenen Stück Fleisch. Ein wenig Schuld auf mich genommen.

Nein Mutti, Sonntag komme ich nicht.

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Freitag, 22. April 2011
Freitag; 22.04.2011 ~ Tag 140
Die einzige Patientin die ich, neben meiner Mutter, auf der Intensivstation wahrnehme. Ist eine Frau, die gleich am Anfang der Station liegt. Im Bett gleich an der Tür. Nicht nur ihr Alter und Zustand, sondern auch die wenigen, kaum sichtbaren Fortschritte sind meiner Mutter ähnlich. Ich freue mich, wenn sie Besuch hat. Und lächle sie an, wenn sie allein ist und mit dem Blick zur Tür gelagert wurde.

Als ich heute auf die Station komme, hat sie ungewöhnlich viel Besuch. Und ich sehe schnell, dass nur 2 Angehörige an ihrem Bett stehen und die anderen Personen Schwestern und ein Arzt sind.

Ich verlangsame nicht; gehe in meinem normalem Tempo an ihrer Tür vorbei. Und kann dennoch mitanhören, was gesprochen wird und begreife, was dort passiert.

Abschalten? Was genau meinst du denn mit abschalten, Mutti?


Als ich ein paar Meter weiter um die Ecke biege und das Zimmer meiner Mutter betrete, nimmt mich mein Bruder zur Begrüssung in den Arm und gratuliert mir zum Geburtstag.

Er wird mich eine Weile so halten müssen.
Denn meine Knie sind dazu zu schwach.

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Mittwoch, 23. März 2011
Heute
Ich: Berühmter TV-Hund?!
Sie: Lassie.

Und wie ich beim Kreuzworträtseln meine Tränen nach innen presste.

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Montag, 14. März 2011
100 Tage Intensivstation
Und wie eine unbemerkte Co2-Narkose alle bisherigen Fortschritte zunichte macht.
Diese neue Realität. Dieses neue Leben. Dieses neue Ich.
Unfassbar unerträglich.

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Samstag, 19. Februar 2011
78 Tage Intensivstation
Wie ihre Beschimpfungen und Demütigungen mir gegenüber immer schlimmer werden. Und wie oft sie inzwischen die Hand gegen mich erhebt. Und wie lange es noch dauern wird, bis sie zuschlägt.

Dies und wie ich jeden Abend, wenn ich gehe, weine.
Und nur der Fahrstuhl meine Tränen sieht.

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Dienstag, 8. Februar 2011
Instead of KH
Wenn man noch Zeit hat, darf man auf keinen Fall bei den Wohngeschwistern reischauen. Plötzlich braucht man wieder Dinge, von denen man bis dahin gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Ein FrühstüXbrettchen auf dem steht, dass man nicht ficken sagen darf. Zum Beipiel. Obwohl ich nicht weiss, wie viel Sinn das m8, denn frühstücken tue ich quasi nie. Hm.



Dann stand mir plötzlich ein weiches, braunes, cordbezogenes 2sitzerSofa, auf dem 4 Personen oder ich allein mit meinen 3 Burschen gut Platz hätte[n], im Weg und wollte nicht beiseite treten.



Oder eine rote Tischleuchte für meinen nagelneuen ToolTimeGoldschmiedeHeimwerkertisch.



Oder eine Leuchte in der Farbe navy, die ich als olivgrün durchgehen lasse. Und jetzt will ich nichts hören!



Dann war da noch der kleine, rote, metallene, hochglanzpolierte Brotkasten. Den ich unbedingt nicht für Brot brauche. Sondern für irgendetwas anderes. Weiss ich noch nicht.



Wenn man dann später. Gedankenverloren. Auf der sorgsam polierten Ringschiene schlagstempelt. Und mittig anfängt, dann zum Ende hin und dann nach vorn. Und dann den letzten quasi ersten Buchstaben versemmelt [K] dann kann man auch gleich aufhören und 1kaufen fahren. Im Rewe gibts dann die letzten 2 Flaschen der aus dem Sortiment genommenen Deoserie. Kann man sich gleichzeitig freuen und ärgern. Und sich eine Pizza kaufen und eine Portion Balkankäse aus Kuhmilch. Weil der Schafskäse einem zu teuer erscheint. Heut melke ich niemanden mehr. Und mich auch nicht.

Zuhause dann also das erste mal seit 9 Wochen etwas gegessen, was im Backofen sowas ähnliches wie zubereitet werden musste. Bis das Telefon am späten Abend klingelte auch alles super soweit. Nur nicht aufgeräumt.

Brudermann. Aufgelöst. Und ratlos. [Wenn ich noch 1 x 'goldschmieden' sagen muss, dann muss ich kotzen!] Bekommt unsere Mrs. Bates nicht in den Schlaf. Obwohl er alles ganz genau so gemacht hat, wie ich. Sagt er. Dennoch. Schwestern. Pfleger. Ärzte. Alle schon im Streit. Habs kommen sehen. Man hält ihr das Mobilhallofon ans Ohr. Ich bräuchte aber nicht kommen um meinen Bruder abzulösen. Wird mir gesagt. Der würde sich gleich zu ihr ins Bett legen und die ganze N8 bei ihr bleiben. Verstehe. Mein Brudermann will dann aber doch lieber den Zug nehmen. 10 Minuten und ein paar mg Medikamentation später schläft sie. Um halb 1 ist er zuhause. Ruft noch mal an. Weint. Was ich alles leiste. Tja.

Als ich irgendwann allein aber satt eingeschlafen bin. Fängt das Drittkatz an zu motzen. Die Verdauung spielt geringfügig gegen unsere N8ruhe. Kotzen. Kacken. Knurren. Da ist es wieder. Das K vom Nachmittag. Irgendwann ist alles ab- und aufgewischt und Ruhe. Ich trinke 1,5 l Wasser auf ex und darf bis 05:40 schlafen. Dann noch mal alles von vorn. Und hinten auch. Der Bursche tut mir leid. Und ich begreife, dass er die Genesung unserer Frau Mutter vermutlich nicht mehr miterlebt.

Kleibenscheister.

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Montag, 7. Februar 2011
66 Tage Intensivstation
Und gleichzeitig Tag 1.
Der erste Tag an dem ich sie nicht besuchen fahre.

Wie sich alle Mühe geben, mir einzureden, dass das gut sei.
Und wie ausserordentlich beschissen ich mich damit fühle.

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Montag, 17. Januar 2011
Ob sie wüsste, wo sie ist.
Eine kleine Auswahl.

- Ja, auf einer Kaffeesegelei.
Ob es nicht etwas zu kalt sei zum Segeln.
- Nein, es sei sehr warm.

- Ja, bei Shaun das Schaf.
Was sie denn da machen würde?!
- Das hätte sie den ganzen Tag auf dem Arm.
Ob das nicht sehr schwer sei.
- Ja, klar. Sie müsste sich ganz schön drehen.

- Ja, sie ist dort, wo der Tzatziki am schärfsten ist.
Wo das denn wäre.
- In Landsberg am Lech.

- Ja, bei der Lindenstrasse.
Was Sie denn da machen würde?!
- Da sei sie zur Aufsicht.

So. Oder so ähnlich. Spielen wir jeden Abend unser kleines Ratespiel. Und als ich ihr heute eine Memorykarte mit einem Streichholz darauf zeigte. Sagte sie sofort sehr überzeugt: Vogel.

Und wie dann der Neurologe den Pfleger fragt, ob meine Frau Mutter orientiert sei und der Typp auch noch JA antwortet.

Und als dann der Oberarzt in zivil [Wellensteyn] durch das Zimmer ging und sie fragte, warum der Polizist hier herumlaufen würde. Erklärte ich ihr, dass sei kein Polizist, sondern ihr Arzt. Und wie sie daraufhin meinte: Ich bin vielleicht krank, aber nicht blöd.

Und wie der Anästhesist unter die Narkoseerklärung schrieb: Habe die Patientin über die Risiken aufgeklärt. Patientin ist einverstanden.

Wie ich dann manchmal einfach nur mit dem Kopf schüttele.

Und wie mir die beste Freundin meiner Frau Mutter heute erklärte, sie könne das alte kranke Katz meiner Frau Mutter nicht länger behalten, weil sie die Haare und das Streu stören würden und weil sie auch mal nach Berlin fahren will.

Wie ich dachte, ich hätte eine Sorge weniger und sie 6 Wochen später zurückbekam.

Dies. Und wie sehr mir meine Mutter fehlt.

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Samstag, 8. Januar 2011
Am Krankenbett
Wissen Sie, wie viele Kinder Sie haben?! fragt der Arzt unsere Frau Mutter.

Vier! antwortet sie sofort sehr stolz.

Mein Bruder und ich. Beides Einzelkinder. Sehen einander an.
Und sagen erst mal nichts.

Bis der Arzt mich fragt. Stimmt das?

Ja. sage ich. Vom Gewicht her, kommt das ungefähr hin.


Dies. Und wie oft wir schon lachten, obwohl uns zum weinen ist.

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Montag, 3. Januar 2011
Vielleicht morgen.
Wie sie mich jeden Tag fragt, wann denn ihre Tochter mal kommt.

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